Restaurierung von Spione
Fritz Langs SPIONE (1927/ 28), ein Meisterwerk des suspense, ist den
MABUSE-Filmen (1922) eng verbunden. Wieder gibt Rudolf Klein-Rogge das
kriminelle, machtbesessene Genie, diesmal als Haghi, Kopf eines Spionagerings.
Weitere Hauptdarsteller sind Gerda Maurus als Haghis Meisterspionin
Sonja, die sich unglücklicherweise in den Hauptgegner No. 326,
gespielt von Willy Fritsch, verliebt.
Stilistisch beschreitet Lang mit einer bevorzugten Verwendung naher
Kameraeinstellungen und schneller Montage neue Wege. Eingebettet in
eine elliptische Erzählstruktur sind episodenhafte Szenen mit so
bedeutenden Darstellern wie Paul Hörbiger, Hertha von Walther,
Fritz Rasp, Lupu Pick und Lien Deyers.
Was vom Film heute in den Archiven weltweit noch übrig ist - ein
Originalnegativ ist unauffindbar, erhaltene Nitrokopien sind zumeist
gekürzt und unterschiedlich geschnitten - zeigt, dass die Spuren
der Zeit sich vor allem auf die komplexe Struktur des Films und seinen
Stil ausgewirkt haben.
Ein Vergleich der Kopien ergab, dass diese auf verschiedene Kameranegative
mit unterschiedlichen Aufnahmen zurückgehen. Üblicherweise
wurden in der Stummfilmzeit für Großproduktionen mehrere
Kameranegative montiert, um ausreichend Kopien für den einheimischen
und den Auslandsmarkt herstellen zu können.
Die am vollständigsten überlieferten Materialien sind eine
Nitrokopie des Národní Filmový Archiv, Prag sowie
ein vom Gosfilmofond Moskau aufbewahrtes Dup-Negativ. Beide gehen auf
das gleiche Negativ zurück, das die originalen deutschen Blitztitel
enthielt, die heute im Moskauer Material überliefert sind. Die
komplexe Erzählstruktur ist hier weitestgehend erhalten, während
jedoch der Stil durch misslungene Takes stark beeinträchtigt wird
und den Schluss zulässt, dass es sich um eine minderwertige Exportversion
handelt. Schwache schauspielerische Leistungen fallen ebenso auf wie
misslungene Kadrierungen und Kameraführung. Anschlussfehler zerstören
die oft atemlose Montage.
Qualitativ gute Takes finden sich in einer Nitrokopie der Cinémathèque
Française, Paris, die von einem anderen Negativ stammt. Allerdings
ist diese Fassung stark gekürzt und es fehlen viele der Episoden
um die Nebendarsteller. Bei diesem Material handelt es sich um eine
kanadische Exportkopie, die auf das US-Negativ zurückgeht.
Eine ebenfalls stark gekürzte und abgenutzte Nitrokopie, von einem
weiteren Kameranegativ gezogen und mit deutschen Zwischentiteln versehen,
stammt aus dem Filmarchiv Austria, Wien. Eine britische Verleihkopie
von ScreenSound Australia, Canberra geht auf das gleiche Negativ zurück
und ist ebenfalls unvollständig. Die in beiden Kopien auffallend
gute Qualität der Takes lässt vermuten, dass das zugrundeliegende
Kameranegativ zunächst für den deutschen und anschließend
für den britischen Markt verwendet wurde.
Ziel der Restaurierung war es, angesichts dieser schwierigen Überlieferungslage
einen Kompromiss zwischen Bildqualität, Vollständigkeit und
den besten Takes zu erzielen. Aufgrund ihrer Vollständigkeit und
ihres exzellenten Zustands dient die Prager Kopie als Basis, während
Material aus den Kopien vom Filmarchiv Austria und von ScreenSound Australia
ihre problematischen Takes ersetzen. Einige fehlende Einstellungen konnten
durch das Pariser Material ergänzt werden.
SPIONE wurde zwischen 2003 und 2004 von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
restauriert. L'Immagine Ritrovata, Bologna, führte die Kopierwerksarbeiten
aus.
Anke Wilkening
Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
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