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Nach Ende des Ersten Weltkriegs und der damit einhergehenden Auflösung
eines verbindlichen Wertesystems erlebte das deutsche Kino
die vielzitierte Ära des expressionistischen Films.
Besonders ein Titel ist für diese Zeit zum Synonym
geworden: Das
Cabinet des Dr. Caligari, geschrieben von Carl Mayer
und Horst Jannowitz, produziert von Erich Pommer, inszeniert
von Robert Wiene, gespielt von Werner Krauss, Lil Dagover,
Conrad Veidt - mit den berühmten Bauten von Walter
Reimann, Walter Röhrich und Hermann Warm. Der ’Caligari’-Film
markiert gleichzeitig den Beginn einer künstlerisch
ungewöhnlich fruchtbaren Etappe.
Regisseure wie Ernst Lubitsch, Fritz Lang und Friedrich Wilhelm Murnau, aber
auch Namen wie Lupu Pick, Paul Leni oder E.A. Dupont schufen
das goldene Zeitalter des deutschen Films.
Die berühmte Filmhistorikerin Lotte Eisner nannte diese
Epoche die der ’dämonischen Leinwand’.
Der maßgebliche Teil dieses Filmerbes wird materiell
und rechtlich von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung
bewahrt.
Die herausragenden Beispiele dieses Erbes zählen zu
den Klassikern der deutschen Filmgeschichte schlechthin.
Oberflächlich betrachtet könnte man diese Filme
kurzerhand unter dem Begriff ’Stummfilmzeit’
zusammenfassen und darunter gleichzeitig die Epoche des
Schwarzweiß-Films verstehen. Doch ist der Stummfilm
niemals stumm gewesen und der Schwarzweiß-Film nur
selten schwarzweiß - ein Umstand, der nicht ohne Bedeutung
für die Restaurierungs- und Rekonstruktionsarbeit der
Murnau-Stiftung ist.
Farbe: Bereits um die Jahrhundertwende versuchten die technischen Abteilungen
der Filmmanufakturen, das ursprünglich schwarzweiße Filmmaterial in
Form eingefärbter Kopien in den Handel zu bringen. Das Spektrum reichte dabei
von der anfänglichen Handkolorierung Einzelbild für Einzelbild bis zur
späteren monochromen Einfärbung ganzer Filmsequenzen.
Ton: Kurz nach der Jahrhundertwende gab es Versuche, das Laufbild mit
Ton zu kombinieren. Die Tonquelle war dabei immer eine separate
Apparatur wie etwa ein mit dem Filmprojektor synchron geschaltetes
Grammophon.
Seit Beginn der 20er Jahre gab es Bestrebungen, den Ton
unmittelbar auf den Filmstreifen zu bringen, um die exakte
Synchronität von Bild und Ton zu gewährleisten.
Hierzu erwähnenswert: das TriErgon-Verfahren der deutschen
Erfinder Engel, Vogts und Masolle.
Ende der 20er Jahre hatte sich dann das so genannte Lichttonverfahren
durchgesetzt, bei dem die akustischen Signale in Lichtimpulse
umgewandelt und am Rand des Filmstreifens aufgebracht wurden.
Beim Abspielen mit einem Tonprojektor vollzog sich der Prozess
umgekehrt: aus Lichtimpulsen wurden Tonsignale.
Sowohl bei der Erfindung des Tonfilms als auch bei der Entwicklung von Farbfilmverfahren
waren deutsche Erfinder maßgeblich beteiligt. Von entscheidender Bedeutung
war jedoch der künstlerische Umgang mit der Tonfilmtechnik. Von besonderem
Rang sind dabei Meisterwerke wie Josef von Sternbergs Der
blaue Engel mit Marlene Dietrich von 1930.
Die Einführung des Tonfilms hatte unter anderem zur Folge, dass eine Vielzahl
von Musicals, Operetten und Revuefilmen entstand. So konnten die neuen technischen
Möglichkeiten optimal eingesetzt werden.
Filme wie Der
Kongress tanzt (1930), Die
Drei von der Tankstelle (1931) oder F.P.
1 antwortet nicht (1932) wurden gleichzeitig in mehreren
Sprachen produziert und bescherten der Ufa internationalen
Erfolg. Überhaupt gehören die frühen 30er
Jahre zu den fruchtbarsten Phasen der deutschen Filmindustrie.
195 abendfüllende Produktionen werden 1931 fertiggestellt,
im darauffolgenden Jahr 168.
In dieser Zeit der Massenarbeitslosigkeit, der Straßenkämpfe
und der permanenten Regierungskrisen entsteht in Deutschland
kaum ein Film, in dem nicht gesungen, musiziert und getanzt
wird. So wird das Ende der Weimarer Republik von einer Komödienschwemme
in den Kinos begleitet.
Aber auch ernste Filme, wie Fritz Langs M
- Eine Stadt sucht einen Mörder (1931) nutzten
die neuen technischen Möglichkeiten des Tons auf virtuose
Weise.
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